Motorrad-Ratgeber

Ab welcher Temperatur ist Motorradfahren zu kalt?

Für die einzelne Fahrt zählt, was du im Fahrtwind spürst. Zeigt das Thermometer 5 °C, fühlt sich unbedeckte Haut bei 70 km/h wie etwa −2 °C an.

Für die Saison taugt als Faustregel: sechs Tage unter 5 °C. Für Klimaforscher endet die Vegetationsperiode, wenn das Tagesmittel sechs Tage in Folge unter 5 °C bleibt. Diese Regel übernehmen wir als Richtwert für die Motorradsaison. Ein einzelner kalter Tag beendet sie nicht.

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Wie fühlt sich das auf dem Motorrad an?

Gefühlte Temperatur auf unbedeckter Haut −2,3 °C Stadt, 60–80 km/h: −1,8 °C bis −2,7 °C Auf deiner Haut gefühlt Frost, obwohl das Thermometer noch Plusgrade zeigt.
Dieselben Zahlen als Tabelle
LuftStadt70 km/hLandstraße90 km/hAutobahn130 km/h
+10 °C4,7 °C4,1 °C3,2 °C
+5 °C−2,3 °C−3,1 °C−4,2 °C
0 °C−9,3 °C−10,2 °C−11,7 °C
−5 °C−16,3 °C−17,4 °C−19,1 °C
−10 °C−23,4 °C−24,6 °C−26,5 °C

Windchill-Formel des US National Weather Service, berechnet für das Tempo der jeweiligen Spalte. Die gestrichelte Autobahn-Spalte liegt außerhalb der veröffentlichten NWS-Tabelle. Die Werte gelten für unbedeckte Haut, nicht für Haut unter Motorradkleidung.

Wenn die Saison vorbei ist

Bei der einzelnen Fahrt kommt es aufs Tempo an, bei der Saison auf eine Serie kalter Tage. Die Stufen unten sind unsere Planungshilfe. Sie beruhen auf veröffentlichten Klimadefinitionen, nicht auf einer Motorrad-Norm.

  1. Beste Zeit vorbei <10 °C · 5 Tage

    Meteorologischer Herbst. Noch fahrbar – leg deine Fahrten in die wärmeren Stunden.

  2. Saison vorbei <5 °C · 6 Tage

    Unser Richtwert, um die letzte Ausfahrt zu planen und das Motorrad einzuwintern.

  3. Winter ≤0 °C · 5 Tage

    Meteorologischer Winter. Glatteis wird zum echten Thema.

Tagesmitteltemperatur, 25. Okt. – 25. Nov. 2020 Zählerstand unter jedem Tag mit weniger als 5 °C
0°5°10°15° 5 °C Tagesmittel 25. Okt. 27 1 1 Tag, zurückgesetzt 29 31 2 4 6 1 1 Tag, zurückgesetzt 8 10 12 14 16 18 20 1 2 22 3 4 24 5 25 6 Saisonende 20. Nov. Klar ist es am sechsten Tag: 25. Nov.
Bei oder über 5 °CUnter 5 °C

Im Beispiel aus dem Raum München, Herbst 2020, blieben zwei kalte Tage Einzelfälle, und der Zähler sprang jeweils zurück. Die Saison endete erst, als ab dem 20. November sechs solche Tage in Folge kamen. Die Tagesmittel stammen aus dem POWER-Projekt der NASA.

Das sind Durchschnittswerte. Deine hängen davon ab, wo du fährst.

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Hinter den Zahlen

Wie der Rechner funktioniert, warum es in der Stadt fast so kalt ist wie auf der Autobahn und woher jede Zahl auf dieser Seite stammt.

  1. Wie der Rechner funktioniert
  2. Warum es in der Stadt fast so kalt ist wie auf der Autobahn
  3. Was über eine Fahrt entscheidet – neben der Temperatur
  4. Woher die Saisonregel kommt

Wie der Rechner funktioniert

Der Rechner nutzt die Windchill-Formel des US-Wetterdienstes NWS. Sie schätzt ab, wie schnell unbedeckte Haut in bewegter Luft Wärme verliert. Auf dem Motorrad machst du diesen Wind selbst, deshalb setzt der Rechner dein Tempo dort ein, wo die Formel die Windgeschwindigkeit erwartet. Das ist eine Näherung: Die Formel rechnet mit gemessenem Wind, nicht mit dem eigenen Fahrtempo. Echter Wind kommt je nach Richtung zu deinem Tempo hinzu oder geht davon ab. Den Wind vor Ort lässt der Rechner außen vor.

“If the temperature is 0°F and the wind is blowing at 15 mph, the wind chill is -19°F. At this wind chill temperature, exposed skin can freeze in 30 minutes.”

– US National Weather Service, Understanding Wind Chill

Der NWS nennt auf derselben Seite zwei Grenzen, und der Rechner weist auf beide hin. Definiert ist der Windchill “only for temperatures at or below 50°F”. Oberhalb von 10 °C rechnet der Rechner deshalb mit derselben Formel weiter und kennzeichnet das Ergebnis als Schätzung – nie wärmer als das Thermometer. Die NWS-Tabelle endet bei 60 mph; Ergebnisse über 97 km/h markiert der Rechner deshalb als über die Tabelle hinaus hochgerechnet. Die Zahl gilt für unbedeckte Haut. Ein geschlossenes Visier, eine winddichte Schicht und Heizgriffe bringen dich wieder näher an den Thermometerwert – genau dafür ist die Kleidung da. Oft liest man auch, dass Reifen unter einer bestimmten Temperatur keinen Grip mehr haben. Der Grip hängt aber von der Gummimischung, der Temperatur des Reifens selbst und der Fahrbahn ab. Eine veröffentlichte Schwelle, für die wir geradestehen könnten, haben wir nicht gefunden – darum nennt diese Seite keine.

Warum es in der Stadt fast so kalt ist wie auf der Autobahn

Das Tempo geht nur mit einem kleinen Exponenten in die Formel ein. Deshalb bringen schon die ersten Kilometer pro Stunde den Großteil der Abkühlung. Bei 5 °C kostet dich der Sprung vom Stand auf 50 km/h 6,3 °C gefühlte Temperatur; von 50 km/h auf 130 km/h kommen nur 2,9 °C dazu. Darum kann sich eine kurze Fahrt quer durch die Stadt in der dünnen Jacke genauso ungemütlich anfühlen wie ein Stück Autobahn: Die meiste Kälte hast du schon abbekommen, bevor du die 50er-Zone verlässt. Danach richtet sich die Wahl der Kleidung. Warme Handschuhe und ein geschlossener Kragen lohnen sich schon auf dem Weg zur Arbeit, nicht erst auf der langen Tour aus der Stadt hinaus.

Was über eine Fahrt entscheidet – neben der Temperatur

Motorrad fahren bei Regen: Die Uhrzeit zählt, nicht die Menge

Die Regenmenge des ganzen Tages sagt fast nichts. Ein 20-minütiger Schauer um sieben, der bis neun durchgezogen ist, lässt dir einen trockenen Vormittag; Dauerniesel ab Mittag verdirbt dagegen einen Nachmittag, der in der Vorhersage nach „10 % Regen“ aussah. Es zählt das trockene Fenster – die Stunden am Stück ohne Regen, dazu eine Fahrbahn, die Zeit zum Abtrocknen hatte. Sieh dir die Stunde an, in der du losfährst, und die Stunde, in der du zurück sein willst: Startest du bei blauem Himmel und um vier regnet es, fährst du nass nach Hause. Such das Fenster, nicht die Tageszahl.

Wind – Böen, nicht der Mittelwert

Keinen Faktor unterschätzen Motorradfahrer so oft wie den Wind. 25 km/h im Mittel mit Böen bis 60 km/h sind eine ganz andere Fahrt als gleichmäßige 25 km/h – vor allem als Seitenwind auf freier Strecke und auf Brücken. Schau auf die Spitzenböen und die Windrichtung. Gleichmäßiger Rückenwind stört am wenigsten. Doch Böen und ein Knick im Straßenverlauf versetzen dich trotzdem, und derselbe Wind von der Seite schiebt dich quer über deine Spur.

Temperatur und was du anhast

Zur harten Grenze wird die Temperatur erst nahe dem Gefrierpunkt. Darüber verschiebt deine Kleidung die Grenze. Schichten, eine winddichte Membran und Heizgriffe können einen Morgen bei 3 °C angenehm machen. Und Frieren ist selbst ein Sicherheitsrisiko: Kalte Hände sind langsame Hände. Sieh die Temperatur aus der Vorhersage als Ausgangswert, den du an deine Montur und dein Tempo anpasst – nicht als Urteil.

Die Fahrbahn

Auf der Fahrbahn richtet die Kälte den eigentlichen Schaden an. Nahe 0 °C halten sich Reif und Glatteis in schattigen Kurven, auf Brücken und Überführungen noch, wenn die freie Strecke längst aufgetaut ist. Nach feuchten Morgen steht das Wasser jedes Mal in denselben Senken. Der Herbst bringt nasses Laub und angeschwemmten Kies in die Kurven. Nichts davon zeigt dir ein Thermometer. Das weißt du aus Ortskenntnis: wo deine Strecken am längsten kalt und nass bleiben.

Woher die Saisonregel kommt

Die Grenze von 5 °C stammt aus dem Index für die Länge der Vegetationsperiode, den das Expertenteam für Klimaindizes (ETCCDI) definiert: Die Vegetationsperiode endet mit der ersten Serie von sechs Tagen mit einem Tagesmittel unter 5 °C nach dem 1. Juli. Die Stufen bei 10 °C und 0 °C zeigen, wie das Schwedische Meteorologische und Hydrologische Institut den Beginn von Herbst und Winter definiert: fünf Tage in Folge unter 10 °C und fünf Tage in Folge bei oder unter 0 °C. Keine dieser Regeln ist fürs Motorradfahren gemacht. Wir nutzen sie, weil sie veröffentlicht sind und einen anhaltenden Wetterumschwung erfassen, nicht einen einzelnen schlechten Tag.

In Deutschland ist das Saisonende auch eine Frage des Kennzeichens. Ein Saisonkennzeichen lässt ein Motorrad für einen festen Zeitraum von zwei bis elf Monaten im Jahr zu. Der Zeitraum steht direkt auf dem Schild, etwa „05–11“ für Mai bis November. Außerhalb davon darfst du es auf öffentlichen Straßen weder fahren noch abstellen, und Kfz-Steuer zahlst du nur für die Monate im Zeitraum.

Eher zu heiß als zu kalt? Derselbe Rechner reicht bis +45 °C – in unserem Ratgeber, ab welcher Temperatur Motorradfahren zu heiß ist.

WOHIN FAHREN

Schau auf die Stundenvorhersage, nicht aufs Tagessymbol.

„Wohin fahren“ holt die Stundenvorhersage von Apple WeatherKit für Ziele in deiner Nähe, ausgewählt aus einem mitgelieferten Datensatz mit 33.817 Orten, und bewertet jedes Ziel Stunde für Stunde. Die App liest also genau die stündlichen Details, um die es in diesem Ratgeber geht – für Orte, zu denen du wirklich fahren könntest, statt eines Tagessymbols pro Stadt.

  • Stündliche Bewertungen für Ziele in deiner Nähe – aus einem mitgelieferten Datensatz mit 33.817 Orten
  • Die Vorhersage kommt von Apple WeatherKit
„Wohin fahren“ in Roveri bewertet Ziele in deiner Nähe nach dem Wetter fürs Motorradfahren, Stunde für Stunde

WENN ES HIER KALT IST

Finde heraus, wo es nicht kalt ist.

Sieht der Morgen zu Hause kalt aus, prüft „Wohin fahren“, wie der Morgen dort aussieht, wo du stattdessen hinfahren könntest. Die App bewertet jedes Ziel in deiner Nähe Stunde für Stunde nach dem Wetter fürs Motorradfahren. Dann lautet die Frage nicht mehr, ob du fährst, sondern wohin. Teil von Roveri Pro, mit kostenloser Testphase.

So findest du Ziele mit gutem Motorradwetter

  1. Öffne „Wohin fahren“ in Roveri.
  2. Roveri bewertet die Ziele um dich herum Stunde für Stunde nach dem Wetter fürs Motorradfahren.
  3. Such dir den Ort mit dem besten Zeitfenster aus und fahr los.

Diese Seite zeigt Durchschnittswerte. Gefahren wird heute.

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Häufige Fragen

Ab welcher Temperatur ist Motorradfahren zu kalt?

Darauf antworten zwei Zahlen. Für die einzelne Fahrt zählt die gefühlte Temperatur bei deinem Tempo: 5 °C fühlen sich bei 70 km/h auf unbedeckter Haut wie etwa −2 °C an. Für die Saison taugt als Faustregel: sechs Tage in Folge mit einem Tagesmittel unter 5 °C.

Ist es heute zu kalt zum Motorradfahren?

Die gefühlte Temperatur bei deinem Tempo entscheidet mehr als das Datum. Prüf sie zuerst, dann das trockene Fenster, die Böen und die Fahrbahn. Bei 5 °C und 70 km/h ist es auf unbedeckter Haut gefühlt schon unter dem Gefrierpunkt – deshalb zählt deine Kleidung mehr als die Vorhersage.

Wie kalt fühlen sich 100 km/h auf dem Motorrad an?

Nach der Formel des US-Wetterdienstes NWS fühlen sich 5 °C Lufttemperatur bei 100 km/h auf unbedeckter Haut wie etwa −3,4 °C an. Bei 0 °C Lufttemperatur sind es etwa −10,6 °C. Über 97 km/h ist der Wert über die veröffentlichte NWS-Tabelle hinaus hochgerechnet.

Wann endet die Motorradsaison?

Eine gute Faustregel: Die Saison ist vorbei, wenn das Tagesmittel sechs Tage in Folge unter 5 °C bleibt. Die Regel stammt aus dem Vegetationsperioden-Index des Klimaindex-Teams ETCCDI und ist nicht fürs Motorradfahren gemacht. Ein einzelner kalter Tag beendet die Saison nicht.

Gilt der Windchill fürs Motorradfahren?

Der Windchill gilt für den Menschen, nicht für die Fahrbahn. Der US-Wetterdienst NWS definiert ihn „only for temperatures at or below 50°F and wind speeds above 3 mph“ und begrenzt ihn ausdrücklich auf Menschen und Tiere: „applies only to people and animals“. Wie kalt ein schattiger Brückenbelag ist, ist eine andere Frage.

Roveri läuft auf dem iPhone (iOS 18.6 oder neuer) und lässt sich kostenlos laden. „Wohin fahren“ ist Teil von Roveri Pro, einem optionalen Abo mit kostenloser Testphase; das Aufzeichnen deiner Fahrten ist kostenlos. Das vollständige, mit dem Code abgeglichene Faktenblatt liegt auf der Presseseite von Roveri, und die App selbst gibt es im App Store.

Fahr einfach.
Roveri merkt
sich den Rest.

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